Vor dem Saisonstart

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Die Regionalliga startet am Sonnabend mit dem offiziellen Eröffnungsspiel im Babelsberger Karl-Liebknecht-Stadion in die neue Saison 2013/14. Die neue Babelsberger Mannschaft empfängt den 1. FC Lok Leipzig zum Punktspielauftakt. In einem kurzen Rundumschlag blicken wir auf die Konkurrenz und wagen einen Blick in die Glaskugel.

Die Favoriten

Die weitaus meisten Beobachter der Regionalliga haben Carl Zeiss Jena auf dem Favoritenzettel. Nicht von ungefähr fordert Petrick Sander, Trainer des FC Carl Zeiss, von seiner Mannschaft die Meisterschaft und den Aufstieg. Nach Platz 2 hinter Aufsteiger RB Leipzig im Vorjahr will man im Paradies angreifen und die Voraussetzungen für die Rückkehr in die dritte Liga schaffen. Im Kader nahm man kleinere Anpassungen vor. Schmerzlich dürfte der Abgang des polnischen Stürmers Trytko sein. Nach Jena wechselten unter anderem die Ex-Babelsberger Flankenhoffnung Filip Kristic, Sören Eismann (Halle) und Justin Gerlach (BAK). Einen Rückschlag musste Jena mit der Demontage der Flutlichtmasten im traditionsreichen Ernst-Abbe-Stadion hinnehmen. Bei einer Überprüfung wurde festgestellt, dass die Anlage weder standsicher noch sanierungsfähig ist. Jahrelang hatte man mit Blick auf einen Stadionneubau auf Unterhaltungsarbeiten verzichtet.

Bessere Voraussetzungen hat da der 1. FC Magdeburg. Die Blau-Weißen wollen sich nicht so recht in die Favoritenrolle drängen lassen, haben aber mit dem Stadion nur wirtschaftliche, keine technischen Probleme. Trainer Petersen geht in seine zweite Saison an der Elbe und irgendwann dürften die Ansprüche größer werden. Im Vorjahr landete man auf Rang 6. Neu in Magdeburg ist der routinierte Stürmer Lars Fuchs (Ex-Hannover 96 II), der erfahrene offensive Mittelfeldakteur Benjamin Boltze verlies den FCM Richtung Meuselwitz.

Häufig genannter Geheimfavorit ist der mit ehemaligen Babelsbergern gespickte FSV Zwickau. Mit Marian Unger, Robert Paul, Nicolas Hebisch, Manuael Stiefel, Florian Grossert und Sebastian Doro schnüren gleich sechs frühere Nulldreier die Töppen für die Schwanenstädter. Im Vorjahr belegten die weiterhin im Sojus-Stadion spielenden Westsachsen Rang 3. Trainer Torsten Ziegener hat neben den Babelsbergern auch eine ganze Reihe von Ex-Jenensern unter Vertrag. Angesichts seiner eigenen Jenaer Vergangenheit kein Wunder, dass er den Favoriten aus der Stadt ohne Flutlicht ärgern will.

Die Überraschungsgäste

Neben den drei genannten Favoriten gelten der BAK und Aufsteiger Viktoria Berlin als potentielle Wundertüten, die oben angreifen könnten. Der BAK hat mit Trainer Jens Härtel einen Aktivposten für den Höhenflug der letzten zwei Jahre verloren. Doch sein Nachfolger Engin Yanova (von Union II) hat bei den Köpenickern sechs Jahre gute Arbeit geleistet. Ihm ist trotz des Abgangs einiger Leistungsträger zuzutrauen, eine Truppe zu formen, die erneut im vorderen Mittelfeld mitspielen kann. Dazu werden Emre Turan aus Braunschweig sowie die Ex-Babelsberger Erkan Dogan und Lennart Hartmann beitragen wollen.

Auch Viktoria 89, dem Fusionsclub aus der südlichen Berliner Innenstadt wird zugetraut, vom Start weg eine gute Rolle zu spielen. Starker Mann bei Viktoria ist Rechtsanwalt Christoph Schulte-Kaubrügger, der Viktoria mittelfristig zur Nummer 3 in Berlin machen will. Lutz Lindemann – zuletzt drei Jahre in Westdeutschland bei SF Siegen tätig – soll als sportlicher Leiter für höhere Ziele gut sein. Mit Maximilian Watzka und Sebastian Hähnge lotste der frühere Hallenser und Auer Manager zwei gestandene Profis ins Stadion Lichterfelde, wo die Viktoria zukünftig ihre Heimspiele austragen wird. Im Mittelfeld zieht übrigens der ehemalige Babelsberger Sympathieträger Ümit Ergirdi die Fäden.

Schwer vorhersagbar ist die Rolle der Ausbildungsmannschaften aus Charlottenburg und Köpenick. Beide Teams haben neue Trainer. Im Amateurstadion gibt es ein Wiedersehen mit Jörg Schwanke, der Karsten Heine beerbte. Nachfolger von Engin Yanova bei Union Berlin ist der ehemalige Tebe-Trainer Robert Jaspert.

Schwer einzuschätzen

Die TSG Neustrelitz könnte erneut eine gute Rolle spielen. Der mecklenburgische Pokalsieger hat mit dem Ex-Profi Thomas Brdaric einen namhaften Jung-Trainer verpflicht. Vorgänger Rastislav Hodul wechselte als Co von Falko Götz in die zweite Bundesliga nach Aue. Ob es beim Vorjahresachten für einen Angriff auf die Spitze reicht, bleibt abzuwarten. Immerhin verließen mit Gramoz Kurtaj, Junior Torunarigha und Aymen Ben-Hatira wichtige Akteure das Parkstadion. Ob die jugendlichen Neuzugänge diesen Verlust kompensieren können, bleibt abzuwarten.

Wohin die Reise beim Vorjahresneunten aus Halberstadt geht, ist ebenfalls noch nicht absehbar. Mit Willi Kronhardt führt ein ehemaliger Cottbuser Regie bei den Germanisten. Die Neuzugänge (u.a. Nico Steinhauer aus Charlottenburg, Fikic und Baldes aus Rathenow) sind noch sehr jung. Dafür verfügt Emmanuel Krontiris über Bundesliga-Erfahrung. Auch der Ex-Babelsberger Malick Bolivard gehört mit 26 Jahren zu den erfahreneren Kickern bei den Würstchenstädtern.

Vermutlich auch im Mittelfeld wird sich der letztjährige Siebte aus Meuselwitz ansiedeln. Dort hat Ikone Sebastian Gasch aufgehört. Dafür konnten die Nachbarn der Skatstadt Altenburg Benjamin Boltze aus Magdeburg holen. In der Blue-Chip-Arena startete Nulldrei übrigens vor vier Jahren die sensationelle Serie, die mit dem Aufstieg in Liga 3 endete. Babelsberger Torschützen beim glatten 3:0 in Zipsendorf waren zwei Mal Daniel Frahn und einmal Ümit Ergirdi.

Ob sich unsere Mannschaft bei den Sorgenfreien einreihen darf, muss sich erst noch zeigen. Während sich unsere Spieler bei der offiziellen Mannschaftsvorstellung optimistisch zeigten, in der Liga mithalten zu können, gibt es auch warnende Stimmen. Die verbliebenen vier Kicker des Vorjahres harmonieren zwar schon recht gut mit den 15 Neuzugängen. Doch ob unsere sehr spielfreudige Mannschaft im robusten Regionalliga-Fußball dagegen halten kann, muss sie erst noch beweisen. Entsprechend vorsichtig formulierten der sportliche Leiter Alme Civa und der Vorstandsvorsitzende Archibald Horlitz das Saisonziel. Der Klassenerhalt steht ganz oben auf der Agenda.

Der Rest

Die weiteren Mannschaften werden wohl ebenso versuchen, nicht in den Abstiegskampf verwickelt zu werden. Da wären zum Beispiel die vogtländischen Mannschaften aus Auerbach und Plauen, die in der Vorsaison die beiden letzten Nichtabstiegsplätze belegten. Beim VFC zieht immer noch Falk Schindler die Fäden. In Auerbach steht der aus Meuselwitz bekannte Martin Bocek unter Vertrag.

Ein Phänomen ist der geschätzte FSV Optik aus Rathenow mit Trainer-Urgestein Ingo Kahlisch an der Spitze. Die Optometristen gaben in der Sommerpause unter anderem Petrus Baldes und Moris Fikic ab. Besonders schmerzhaft dürfte aber der Abgang des langjährigen Kapitäns Patrick Scholz nach Zehlendorf sein. Dafür wechselten wie immer talentierte Nachwuchsleute aus Berlin nach Rathenow. Man darf auf die Künste von Ingo Kahlisch gespannt sein und sich auf zwei spannende Derbys freuen. Schön wäre es sicherlich, wenn die gute Arbeit im schmucken Stadion Vogelgesang durch einen größeren Zuschauerzuspruch (580 im Schnitt 12/13) gewürdigt werden würde.

Ebenfalls in den Kampf gegen den Abstieg wirft sich der zweite Aufsteiger Wacker Nordhausen. Die Mannschaft aus dem Norden Thüringens gehört sicher zu den großen Unbekannten. Höherklassige Erfahrung weisen die wenigsten Spieler auf. Trainer ist der 49jährige Jörg Goslar. Seine Spiele trägt Wacker im 8.000 Zuschauer fassenden Albert-Kunz-Sportpark aus.

Gegen den Abstieg dürfte es auch beim Babelsberger Auftaktgegner Lokomotive Leipzig gehen. Letztes Jahr war die Mannschaft Zehnter. Mit einem starken Schlussspurt wurde die Abstiegsgefahr gebannt. Doch große wirtschaftliche Sorgen ließen keine Kontinuität zu. Trainer Marco Rose verließ den Verein im Sommer. Für ihn übernahm der junge Carsten Hänsel das Ruder. Zuletzt ließ Lok mit dem ehemaligen Babelsberger Rico Engler aufhorchen. Gegen Schalke 04 unterlag man vor heimischem Publikum nur knapp mit 1:2. Für die Auftaktpartie gegen Babelsberg formulierte Hänsel: „Einen Punkt beim Drittliga-Absteiger zu holen, wäre sensationell. Wir werden dafür 90 Minuten aufopferungsvoll kämpfen.“